Exclusivity

In wenigen Wochen erscheinen neue Videospiel-Konsolen und durch den Start in eine neue Generation dieser, rückt auch das Schlagwort Exklusivität wieder etwas in den Vordergrund. Konkret durch die etlichen Ankündigungen und Vorstellung von Videospielen, welche in der einen oder anderen Art exklusiv für eines der erscheinenden Geräte veröffentlicht werden. Das Thema ist grundlegend nicht neu, sondern begleitet einen als Videospieler unabhängig von der eigenen präferierten Plattform stetig. Im Laufe der letzten Jahre hat sich jedoch die tatsächliche Bedeutung der Exklusivität bei Videospielen aufgeweicht. Bedeutete früher das exklusive Erscheinen eines Titels auf einer Plattform tatsächlich ein exklusives Erscheinen, ist es heute viel öfter nur die zeitliche, die teilweise inhaltliche oder rein auf den Bereich Videospiel-Konsolen bezogene Exklusivität. Vereinfacht also mittlerweile deutlich komplexer als es rein vom Begriff her klingt, daher ein Versuch des Niederschreibens meiner Gedanken im Umfeld der neuen Geräte dazu.

Der wohl offensichtlichste Ansatz der Exklusivität ist das Erscheinen eines Videospiels für genau eine Videospiel-Konsole. Ein Vorgehen, welches man eigentlich bei Titeln kennt, die entweder vom Hersteller der jeweiligen Videospiel-Konsole selbst entwickelt werden oder die von diesem beauftragt als auch finanziert werden. Die kommunizierte Information ist relativ einfach, wenn man das Videospiel spielen möchte, dann nur wenn man das jeweilige passende Gerät besitzt. Der Grund dahinter hat in den seltensten Fällen mit den technischen Fähigkeiten oder Funktionen der Videospiel-Konsole zu tun, sondern es ist am Ende immer der wirtschaftliche Aspekt. Diese Art der Exklusivität ist gleichzeitig die, die am stärksten kommuniziert wird und wenn man die Ankündigungen der letzten Wochen zumindest etwas verfolgt hat auch die, die am häufigsten zu vertreten sein scheint.

Dutzende Videospiele erscheinen gefühlt exklusiv für die Xbox Series S/X von Microsoft oder auch die PlayStation 5 von Sony. Die Exklusivität ist wirtschaftlich wichtig und wird von den Herstellern der Videospiel-Konsolen als einer der effektivsten Treiber hinsichtlich des Anreizes zum Kauf eines der neuen Geräte gesehen. Diesen Umstand erkannt man auch daran, dass das Thema in Form von speziell dafür geschaffenen Signationen zu Beginn von Videos zur Ankündigung oder Vorstellung der jeweiligen Videospiele eingespielt und quasi zelebriert werden.

Was ich jedoch an der Sache äußerst interessant finde ist, dass es bis auf ganz wenige vereinzelte Ausnahmen bei keiner der beiden neuen Videospiel-Konsolen tatsächlich eine Exklusivität wie bisher beschrieben gibt. Verstehe ich die seit Jahren immer mehr erkennbare Strategie von Microsoft und Sony richtig, würde ich mich sogar zur These hinreißen lassen, dass es mit dem Start der neuen Generation von Videospiel-Konsolen gar keine Exklusivität mehr bei den beiden Firmen geben wird. Das was sowohl Microsoft als auch Sony hier bewusst schwammig kommunizieren, ist eine stark aufgeweichte Exklusivität und wenn ich hier noch den Gedanken weiterspinne, dann behaupte ich, dass für die breite Masse an Videospielern diese aufgeweichte Exklusivität mittlerweile komplett irrelevant geworden ist.

Aber alles der Reihe nach, beginnen wir beim einfachsten Fall, dem von Microsoft. Der Begriff der Exklusivität bezieht sich dort immer auf die gesamte Xbox-Plattform, welche neben der kommenden Xbox Series S/X auch die bestehenden Geräte der Xbox One-Reihe und auch Windows 10-PCs beinhaltet. Bedeutet im Umkehrschluss, dass keines der angekündigten Videospiele nur auf einer der neuen Videospiel-Konsolen gespielt werden kann, sondern alternativ vermutlich in den nächsten beiden Jahren auch auf den derzeit aktuellen Videospiel-Konsole aus dem Hause Microsoft und parallel sowie auch nach einer solchen Übergangszeit auf Windows 10-PCs. Das ist nichts Neues und Microsoft kommuniziert dies seit Jahren auf die eine oder andere Art, aber während die Hype-Maschinerie für die neuen Xbox-Geräte läuft, wird bei der Kommunikation dieser Umstand gerne weggelassen.

Und bei Sony ist es am Ende nicht anders, aber leider verwirrender und auch sehr viel intransparenter. Einzelne von Sony zum Start der PlayStation 5 geplante Titel erscheinen auch in Versionen für die PlayStation 4. Titel anderer Hersteller, die als exklusive Videospiele für die neue Generation der Videospiel-Konsole angekündigt wurden, sind eigentlich nur für einen gewissen Zeitraum exklusiv für die Geräte von Sony und erscheinen früher oder später auch für die Xbox-Plattform. Bei wiederum anderen Titeln wurde angekündigt, dass die Veröffentlichung parallel auch für Windows 10-PCs erfolgt, nur um im Nachhinein zurückzurudern und die Aussage als menschlichen Fehler zu revidieren. Umso spannender ist dies, wenn man bedankt, dass Sony in den letzten Monaten zuvor exklusive Videospiele für die PlayStation 4 mittlerweile auch für Windows 10-PCs veröffentlicht hat und aufgrund des Erfolgs sehr laut darüber nachgedacht hat, dass weitere Umsetzungen von zuvor exklusiven Titeln in die Strategie des Unternehmens passen. Dieser Umstand, kombiniert mit einer im Nachhinein als Fehler bezeichneten parallelen Ankündigung von Videospielen für die PlayStation 5 sowie Windows 10-PCs, wirkt in Anbetracht der kürzlichen Äußerung zur Strategie schon teilweise schizophren. Zusammengefasst gibt es bei der PlayStation 5 abgesehen von ein oder zwei Ausnahmen keine wirkliche Exklusivität zum Start in Hinblick auf Videospiele, ich vermute in zwei Jahren wird rückblickend keine dieser aktuellen Ausnahmen tatsächlich exklusiv gewesen sein.

Also viel angekündigte Exklusivität bei wenig bis hin zum Extremfall keiner Exklusivität, sowohl bei Microsoft als auch bei Sony. Auch wenn beide Firmen für die neuen Videospiel-Konsole bei nahezu allen Titeln versuchen den Eindruck einer solchen zu erwecken, ist der diesjährige Generationswechsel auch hinsichtlich der Inhalte für die Hardware anders als dieser in vorherigen Generationen war.

Das aus meiner Sicht spannende daran ist, dass das Thema Exklusivität mit etwas Abstand komplett irrelevant geworden ist. Im Gegensatz zu früher, ist mittlerweile die Auswahl an verfügbaren Videospielen so hoch, dass eine tatsächliche Exklusivität bei der PlayStation 5 und auch der Xbox Series S/X irrelevant ist. Zu einem beliebigen Zeitpunkt, in jedem Moment, für jedes beliebige Genre und auch für jegliches persönliche Interesse findet man als Videospieler gute Alternativen zu einem vielleicht nur vorübergehend nicht auf dem präferierten Gerät verfügbaren Titel. Natürlich besteht ein merkwürdiger Druck aus dem Freundeskreis, wenn dort ein bestimmtes Videospiel hoch und runter läuft und man selbst nicht daran teilnehmen kann, jedoch je mehr man sich von den rein künstlichen Hype-Phasen der Videospiel-Industrie kurz vor und während der Veröffentlichung einzelner Titel oder von Geräten löst, desto leichter erkennt man wie wenig relevant der Umstand tatsächlich ist. Entweder kann man das Videospiel zu einem späteren Zeitpunkt nachholen und überbrückt die Zeit bis dahin mit einer Alternative aus einer mittlerweile nahezu unüberschaubaren Menge an guten Titeln oder holt dieses viel realistischer einfach nicht nach. Am Ende geht es nämlich um die persönlich favorisierten guten Inhalte, mit denen man seine kostbare Freizeit füllen möchte und dabei spielt die Exklusivität nüchtern betrachtet keine Rolle mehr, wenn man es so möchte und ehrlich mit sich selbst ist. Die Frage weshalb dennoch die beiden Firmen bei den neuen Videospiel-Konsolen so sehr darauf pochen und das Thema im Prinzip deutlich aufgeweichter ist als es kommuniziert wird, ist am Ende nur mehr eine rein rhetorische Frage mit einer einfachen Antwort. Es ist schon schön, wenn Dinge auch mal einfach nicht kompliziert sind, so wie es auch der Begriff Exklusivität einmal war.

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