100 Percent

Nahezu jedes Mal, wenn ich vollmotiviert ein neues Videospiel starte, beginne ich gedanklich mit einem festen Ziel: Ich möchte den Titel in allen Facetten erleben und aus allen möglichen Perspektiven sehen. Oder anders formuliert, ich möchte eine 100%-Erfahrung haben. Es reicht mir nicht das reine Durchspielen, sondern ich möchte jeden Abschnitt komplett absolvieren, ich versuche jegliche Haupt- als auch Nebenmission zu spielen und auch alle Sammelobjekte stehen gedanklich auf meiner persönlichen Liste. Meine Vorliebe für Videospiele mit offener Videospielwelt ist diesem Ziel und der anfänglich vorhandenen Motivation inhaltlich nicht zuträglich, denn auch wenn ich die ersten Stunden mit dem Videospiel dieses Ziel verfolge, verschwindet meine Motivation früher und später immer mehr und ich finde mich selbst in der Situation, dass ich mich zwingen muss, dass ich überhaupt das Ende des Titels erreiche. Das ursprüngliche Ziel spielt zu diesem Zeitpunkt keine Rolle mehr und obwohl ich über die letzten Jahre dieses Verhalten bei mir immer und immer wieder erlebt habe, falle ich immer und immer wieder in dieses Muster zurück.

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Pokémon Schwert

Auch wenn mich den längsten Teil meines Lebens das Thema Videospiele begleitet, ist das Popkultur-Phänomen Pokémon bisher an mir nahezu spurlos vorbeigegangen. Über die dazu führenden Gründe langatmig zu philosophieren wäre zwar reizvoll, aber bringt inhaltlich wenig Mehrwert für diesen Text. Trotz dieser persönlichen Ausgangssituation ist für mich Pokémon aufgrund der Stärke der Marke, des langjährigen Erfolgs und des einfachen Grundprinzips als Videospiel seit Jahren ein spannendes Thema. Darunter fallen unter anderem die Heldenreise als Erzählmittel, eine hohe Diversität als auch Kreativität hinsichtlich der unterschiedlichen Pokémon als ein wichtiger treibender Faktor, um stetig etwas Neues zu Entdecken und die Motivation mit der optimalen Kombination dieser, den Kontrahenten gegenüber im Duell überlegen zu sein. Sowie auch alle Pokémon zu finden, zu bekämpfen und viel wichtiger zu fangen. Irgendwann um den Jahreswechsel ins Jahr 2020 fasste ich den Beschluss, dass es an der Zeit ist meine Lücke hinsichtlich des Themas Pokémon zu schließen und ich kaufte mir voll motiviert den damals erst kürzlich erschienenen aktuellsten Ableger der Reihe, konkret Pokémon Schwert, für die Nintendo Switch und startete in ein Abenteuer im doppelten Sinne, nämlich im Videospiel und für mich.

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Exclusivity

In wenigen Wochen erscheinen neue Videospiel-Konsolen und durch den Start in eine neue Generation dieser, rückt auch das Schlagwort Exklusivität wieder etwas in den Vordergrund. Konkret durch die etlichen Ankündigungen und Vorstellung von Videospielen, welche in der einen oder anderen Art exklusiv für eines der erscheinenden Geräte veröffentlicht werden. Das Thema ist grundlegend nicht neu, sondern begleitet einen als Videospieler unabhängig von der eigenen präferierten Plattform stetig. Im Laufe der letzten Jahre hat sich jedoch die tatsächliche Bedeutung der Exklusivität bei Videospielen aufgeweicht. Bedeutete früher das exklusive Erscheinen eines Titels auf einer Plattform tatsächlich ein exklusives Erscheinen, ist es heute viel öfter nur die zeitliche, die teilweise inhaltliche oder rein auf den Bereich Videospiel-Konsolen bezogene Exklusivität. Vereinfacht also mittlerweile deutlich komplexer als es rein vom Begriff her klingt, daher ein Versuch des Niederschreibens meiner Gedanken im Umfeld der neuen Geräte dazu.

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Beyond Medusa’s Gate

Vor ein paar Wochen verschlug es mich samt Begleitung nach Traunkirchen in Oberösterreich. Ein Ort im Salzkammergut, der mit etwas mehr als 1600 Einwohnern als eher überschaubar bezeichnet werden kann. Das Ziel an diesem Tag war aber nicht der Blick auf den Traunsee von der Terrasse eines der Gastronomielokale direkt am Wasser, sondern ein etwa 36 m² großer nahezu leerstehender Raum neben der Bankfiliale am Marktplatz direkt gegenüber der Kirche. Dieser Raum war der Absprungpunkt für uns, denn bereits ein paar Minuten nach dem Eintreffen und durch das vorhandene technische Equipment im Wert eines Mitteklassewagens klärte uns die virtuelle Trainingskoordinatorin von Abstergo Industries über unser heutiges Ziel in der anstehenden Simulation auf. Es ging ins antike Griechenland, genauer in eine ägäische Küstenhöhle, um das dort ankernde legendäre Schiff der Argonauten hoffentlich zu finden und damit auch aus der Höhle zu entkommen. Wenige Sekunden später verschwanden jegliche erkennbare Fragmente der Computer-Simulation und die gemeinsame Mission unter dem Titel Beyond Medusa’s Gate startete für uns beide in einem kleinen nahezu stockdunklen Raum und wir hatten nur eine Stunde Zeit um unsere Mission zu absolvieren.

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Video Game Trade Shows Vs Communication Strategy

Früher, als ich noch etwas jünger war, waren mehrere Trips pro Jahr zu Videospiel-Messen etwas Normales für mich. Sieben Jahre lang ging es für mich jedes Jahr im August auf die Games Convention nach Leipzig, mit einer ähnlichen Häufigkeit nur etwas später im Herbst stand die Game City in Wien am Plan, ein paar Jahre lang ging es regelmäßig zur gamescom nach Köln und etliche andere Videospiel-Messen wie die E3 in Los Angeles oder die EGX in Berlin wurden im Laufe der Zeit zumindest einmal von mir besucht. Wie eingangs erwähnt früher, denn irgendwann habe ich die Lust daran verloren. Sehr viele Menschen an einem Ort, unheimlich wenig Zeit und anstrengende Tage bei wenig erholsamen Schlaf ist eine Kombination, auf die ich im Alter von mittlerweile 35 plus verzichten kann. Obwohl ich Videospiel-Messen, abgesehen von wenigen nicht regelmäßigen Ausnahmen, seit Jahren nicht mehr besuche, verfolge ich die im Rahmen dieser stattfindenden Berichterstattung weiterhin gerne und auch bewusst. Vielleicht ist es die Macht der Gewohnheit, aber die Intervalle zwischen den relevanten Veranstaltungen in Kombination mit einer hohen Menge an Informationen an diesen wenigen Tagen, haben sich über die Jahre unbewusst bei mir eingebrannt. Ich habe mich zwar immer wieder mal gefragt wie sinnvoll und zielführend diese Systematik der Informationsflut auf Videospieler für die Unternehmen der Videospiel-Industrie tatsächlich ist und manche nutzen auch bereits seit Jahren zusätzliche oder alternative Kanäle wie zum Beispiel voraufgezeichnete Präsentationen in Videoform, aber so komplett in Frage gestellt habe ich dieses bestehende Vorgehen nicht. Dieses Jahr, also 2020, ist aufgrund von COVID-19 und den damit einhergehenden Maßnahmen wie Abstand halten, der eingeschränkten internationalen Mobilität sowie natürlich der gesundheitlichen Gefahr total anders und hat auch Auswirkungen auf Videospiel-Messen und der parallel stattfindenden Kommunikation von Neuigkeiten. Auswirkungen in dem Sinne, dass im Prinzip alle Veranstaltungen abgesagt wurden. Inhaltlich die richtige Entscheidung, in einem Jahr in dem neue Videospiel-Konsolen veröffentlicht werden, eine sehr ungewohnte Situation hinsichtlich der Kommunikationsstrategie der Betreiber von Videospiel-Plattformen und auch dem Rest der Videospiel-Industrie.

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Carrion

Irgendwie möchte ich mit einer hochtrabenden schlauen Einleitung wie zum Beispiel Carrion ist ein Videospiel aus dem Genre Metroidvania, in dem die übliche Rollenverteilung umgedreht wird und man als Videospieler die Kontrolle über ein schwabbeliges fleischiges Monster mit zig Augen, Mündern und Tentakeln unbekannter Herkunft übernimmt, um aus einem unterirdischen Labor, in dem man gefangen gehalten wird, zu entkommen. Irgendwie möchte ich aber gleichzeitig keine Einleitung, die man vermutlich in ähnlicher Form zigfach in anderen Beiträgen über Carrion zu lesen und hören bekommt. Aber dennoch etwas, um die Grundprämisse des inhaltlich unkonventionellen Titels kurz und prägnant wiederzugeben. Wortspiele, blumige Umschreibungen oder dahingedroschene Standardphrasen bieten sich an, wären aber zu einfache Hilfsmittel und Methoden. Vermutlich passen vier Themen ohne direkten Zusammenhang, die mir nach den etwa vier Stunden Spielzeit während des Abspanns im Kopf geblieben sind, als Einleitung gut: Snacken statt Sneaken, der Flow zwischen unglaublicher Übermächtigkeit sowie fragiler Verwundbarkeit, das Sammeln von einzigartigen erinnerungswürdigen Momenten und dass Carrion kein Videospiel aus dem Genre Metroidvania ist.

Carrion - Nintendo Switch Box
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