NES – Zurück in die Kindheit

Die seit Wochen in Österreich vorherrschende suboptimale Wetterlage hat nicht nur Schattenseiten, denn meine Motivation wurde durch die fröhlichen Wasserspiele in ungeahnte Höhen katapultiert. Mit erhöhten Adrenalinpegel startete ich in den letzten Wochen eines der für mich bisher spannendsten Abenteuer und erkundete bisher noch unerforschte Welten voller mysteriöser Gegenstände sowie deren Vergangenheit.

Vielleicht war es dann doch nicht ganz so spannend, denn ehrlich gesagt stand das Ausräumen des elterlichen Dachbodens an. Neben dem üblichen Dachbodeninhalt fand ich auch eine schwarze Box, die einen Teil meiner persönlichen Videospielkindheit in Form von zehn NES Modulen beinhaltete.

Wenn ich mich richtig erinnere war das NES nicht die erste Konsole im Haushalt, denn meine Eltern haben (irgendwo) eine günstige chinesische Imitation erworben, die mit 999 (eingebauten) Spielen auf der Verpackung geworben hat. Bereits innerhalb weniger Tage war mir der Betrug aber klar, denn es waren realistisch betrachtet nur 20 Spiele vorhanden, die sich mit den unterschiedlichsten Farben sowie Sprites stetig wiederholten. Spannend war jedoch der beigelegte Adapter, wodurch die China-Konsole auch mit NES Modulen befüttert werden konnte. Dies funktioniert auch einige Zeit, bis Nintendo am Kopierschutz der Module herumgebastelt hat und dadurch mein Interesse an der schwarzen Kunststoffscheibe gegen Null sank. Der nächste Schritt war der regelmäßige Besuch in der lokalen Videothek, da man dort für 20 Schilling pro Tag die Konsole ausborgen konnte und diese Option wurde auch mehr als exzessiv genutzt. Nachdem vermutlich zwei Konsolen inklusive Zubehör allein durch die Leihgebühr finanziert wurden, schaffte es aufgrund eines raffinierten Donauland-Werbungsprämien-Deal doch noch das Nintendo Entertainment System in die heimischen vier Wände und bis zum Release des SNES waren sowohl verregnete Wochenden als auch die Ferien gerettet.

Damit wären wir wieder bei der schwarzen Box mit den zehn Modulen und es ist erschreckend wie die Erinnerungen je nach Modul variieren. Da ist zum Beispiel das grandiose „Super Mario Bros. 3“ welches ähnlich wie „Ice Climber“ die stärksten Erinnerungen bezüglich Gameplay, als auch Erlebnisse rund um das Spielen an der Konsole hervorruft. Ebenfalls in der Sammlung findet man das Schrottspiel „Captain Planet And The Planeteers“, welches aber aufgrund der damals ebenfalls laufenden TV Serie einen mehr als bleibenden Eindruck hinterlassen hat (… oh wie naiv ich doch war). Bei „A Boy And His Blob: Trouble On Blobolonia“ wird es schon etwas schwerer und es gibt nur noch Erinnerungsfragmente bezüglich des Gameplays und bei „Bigfoot“ aus dem Hause Acclaim bilde ich mir den markanten Bigfoot Ansager beim Starten des Spiels ein. Die restlichen Module (Defender Of The Crown, Jacky Chan’s Action Kung Fu, Gremlins 2 und The Guardian Legend) wecken weniger als keine Erinnerungen, was aber vermutlich unter anderem auch mit der Qualität der Spiele zu tun hatte (man kaufte damals ja auch nach Packungstext und Packshot).

Leider wurde das heimische NES während der (bereits abgeschlossenen) Räumungsarbeiten nicht gefunden, wodurch die praktische Umsetzung der kindlichen Zeitreise massiv behindert wurde. Vermutlich ist dies aber gar nicht so schlimm, denn dank moderner Hilfsmittel wie YouTube besteht mittlerweile jederzeit die Möglichkeit sich seine personalisierte 8-Bit Dröhnung immer und überall zu holen.

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