Limited Edition Consoles

Seit ein paar Jahren hat sich der Herbst als die Hauptsaison für Sondereditionen von Videospielkonsolen eingebürgert und 2015 stellt keine Ausnahme dar. Microsoft startet in das Weihnachtsgeschäft mit je einer Limited Edition Xbox One zu den hauseigenen Titeln Forza Motorsport 6 sowie Halo 5: Guardians. Sony nutzt dieses Jahr mangels eigener starker Marken die exklusive Werbekooperation zu Metal Gear Solid V sowie Star Wars Battlefront und veröffentlicht passend hierzu je eine Limited Edition der PlayStation 4. Böse Zungen behaupten der Sinn von Sondereditionen ist teilweise die Kaschierung fehlender zugkräftiger Titel, andere sehen darin einen Fanservice und auch wenn mir persönlich manches Modell durchaus gefällt, würde ich mir aktuell keine Sonderedition einer Videospielkonsole unter den heimischen Flachbildschirm stellen.

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Beginnen wir mit Sony und dem Inhalt der PlayStation 4 Star Wars Battlefront Limited Edition. Technisch handelt es sich um die kürzlich minimal überholte PlayStation 4 inklusive 1 TB Festplatte, was der doppelten Speicherplatzkapazität der sonst noch aktuell gängigen Version entspricht. Optisch von Darth Vader inspiriert ziert das Konterfei des Bösewichts eine Seite bzw. die obere Fläche der Videospielkonsole. Natürlich auch enthalten ist ein DualShock 4 Wireless Controller, dessen Analogsticks und Buttons in anderen Farben ausgeführt sind und das Touchpad mit einem Star Wars Logo überzogen wurde. Der Sonderedition beigelegt ist Star Wars Battlefront in der Deluxe Edition und Download Codes für vier ältere Videospiele aus dem Star Wars Universum. Die Limited Edition Metal Gear Solid V: The Phantom Pain PS4 ist etwas anders, denn anstelle der neuen Revision befindet sich das alte PlayStation 4 Modell mit der kleineren 500 GB Festplatte im Paket. Optisch wurde die halbe Videospielkonsole rot umgefärbt, der dunkelgraue DualShock 4 Wireless Controller wurde zusätzlich mit kleineren Verzierungen versehen und natürlich das Spiel selbst ist beigepackt.

Microsoft wählt einen etwas anderen Weg und sowohl die Anpassungen an der Forza Motorsport 6 Limited Edition als auch die der Halo 5 Limited Edition Xbox One gehen deutlich weiter. Von der technischen Seite betrachtet handelt es sich um die normale Xbox One, welche jedoch mit einer doppelt so großen Festplatte mit 1 TB Speicherkapazität ausgestattet wurde. Anstelle nur eine Seitenfläche aufzubereiten, spendiert Microsoft den Sondereditionen eine komplette detaillierte optische als auch akustische Überarbeitung. Eine neue Oberflächenstruktur? Vorhanden. Einigermaßen dezente Muster anstelle großflächiger Logos oder Abbildung? Selbstverständlich. Zur Edition passende Signaltöne beim Ein- und Ausschalten der Videospielkonsole? Seit ein paar Jahren für Microsoft quasi Standard. Ein angepasster Xbox One Controller? Optisch harmonisch abgestimmt auf das Design der Xbox One. Dazu gibt es dann noch den Download Code für die normale Version von Forza Motorsport 5 oder für die Limited Edition von Halo 5: Guardians.

Unabhängig ob man den für mich teils lieblosen Ansatz von Sony oder den gefühlt eher einer Sonderedition entsprechenden Ansatz von Microsoft bevorzugt, beide Möglichkeiten sind für mich schwierig. Der primäre Grund ist der Preis, denn dort wo Sonderedition drauf steht, klebt im Regelfall auch ein Sonderpreis am Paket. Mir ist bewusst, dass sich die kleinere Auflage und der doch höhere Aufwand niederschlagen müssen, für mich persönlich schlägt er sich gefühlt zu stark nieder. Sony verlangt 500 Euro für die PlayStation 4 Star Wars Battlefront Limited Edition, was einem Aufpreis von etwa 100 Euro für die optisch eher minimale Anpassung sowie das beigelegte Spiel entspricht. Bei der halbroten Metal Gear Solid V: The Phantom Pain PS4 belaufen sich die Gesamtkosten auf 430 Euro und einem rechnerischen Aufpreis von nur 30 Euro, jedoch gibt es viele spielerisch besser ausgestattete Bundles zu einem deutlich günstigeren Preis. Microsoft geht in dasselbe Premiumsegment und verlangt für die Forza Motorsport 6 Limited Edition Xbox One in etwa 450 Euro, was einem Aufpreis von 100 Euro gegenüber dem nicht angepassten 500 GB Basismodell entspricht. 150 Euro ist der Preisunterschied bei der 500 Euro teuren Halo 5 Limited Edition Xbox One, wobei es sich bei beiden ebenso um rein rechnerische Werte handelt, da es hier neben der Standardversion auch spielerisch besser ausgestattete Bundles zum Standardpreis gibt.

Den in meinen Augen zweiten schwierigen Punkt stellt die Zielgruppe dar. Stark vereinfacht kann man hierzu Videospieler in zwei Gruppen einteilen: Videospieler und Fans von Spieleserien. Und ja, ich arbeite gerade massiv mit der Klischeekeule und natürlich ist es in der Realität nicht so einfach eine Gruppe zu differenzieren. Aber beginnen wir mit der klassischen Fragen: Wer kauft die Sonderedition einer Videospielkonsole? Gefühlt Fans einer Spieleserie die im Regelfall noch nicht in Besitz der Videospielkonsole sind. Dann versuchen wir mal diese Zielgruppe auf die vier oben genannten Angebote anzuwenden. Kauft ein Star Wars Fan eine PlayStation 4 im Star Wars Design mit einem Aufpreis von 100 Euro? Für mich schwer vorstellbar und wenn doch, dann ist es vermutlich nur einer von ganz wenigen. Kauft ein Fan von Metal Gear Solid die Sonderedition aus dem Hause Sony? Wenn er ein ganz großer Fan ist und kein Problem mit der alten Hardwarerevision hat vielleicht. Schlägt der Forza Fan bei der Limited Edition Xbox One zu? Wohl kaum, da er aufgrund von Forza Motorsport 5 und Forza Horizon 2 mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits eine Xbox One besitzt. Und der Halo Fan bei der hübschen aber teureren Halo Variante? Vielleicht, wobei viele vermutlich bereits Anfang des Jahres die Xbox One im Bundle zusammen mit Halo: The Master Chief Collection erworben haben. Und aus Gründen des Sammelns oder als zweite Konsole? Vorstellbar, jedoch ist die Zielgruppe in beiden Fälle  verschwindend gering.

Mein dritter und auch letzter Aspekt geht in Richtung des persönlichen Geschmacks und hängt stark von einem selbst ab. Ich mag eine schlichte Ausstattung und starke Linien in Wohnräumen. Glatte Flächen, gerade Linien, starke Kontraste und möglichst natürliche Materialen sind mein Non-Plus-Ultra und eine gemusterte Konsole würde diese Ruhe und Struktur irgendwie stören. Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig und ist relativ sicher auch sehr eigen, aber egal welche der von Sony oder Microsoft gewählten Variante man auch bevorzugt, ich bin und bleibe Fan der eher puristischen und optisch universellen einfarbigen Standardvariante. Als Fan von Rennspielen wäre natürlich so eine Forza Motorsport 6 Limited Edition Xbox One mehr als cool, aber mein perfider Sinn für Struktur würde es irgendwann als unangenehm empfinden. Schwarze, weiße oder graue Videospielkonsolen sind super, gemusterte Videospielkonsolen eher nicht. Wie gesagt, ein persönliches Empfinden von mir und auch wenn die breite Masse diesen Punkt anders sehen könnte (und vermutlich auch wird), bin ich mir sicher, dass ich nicht ganz alleine mit dieser Meinung bin.

Sondereditionen von Videospielkonsolen sind ein schwieriges Thema. Sie sind deutlich teuer als die normalen Basismodelle, verdienen nicht immer den Beinamen einer Sonderedition, sprechen gefühlt eine eher geringe Zielgruppe an und passen optisch nicht unbedingt in jeden Wohnraum. Finde ich Sondereditionen gut? Ja, wenn es möglichst neutrale Sondereditionen wie die Crystal Original Xbox, eine Green Original Xbox, die weiße Xbox One oder die bezaubernde 20th Anniversary PlayStation 4 sind. Finde ich Sondereditionen spannend? Definitiv und ich lese gerne Newsbeiträge darüber. Liege ich mit meiner persönlichen Einschätzung richtig? Schwierig zu sagen, ich wanke zwischen ja und nein, denn irgendwie muss es einen Markt für die Sondereditionen geben, denn ansonsten würde weder Sony noch Microsoft jährlich entsprechende Modelle auf den Markt bringen. Spannend wären natürlich die Zahlen zur Produktions- und Absatzmenge, aber genau diese Zahlen stellen seit Jahren ein gut gehütetes Geheimnis der Videospielindustrie dar.

Auf der Suche nach einer neuen Videospielkonsole? Vielleicht sogar auf der Suche nach einer Sonderedition einer Videospielkonsole? Perfekt, denn die Chancen stehen gut, dass Amazon etwas Passendes im Sortiment hat. Sowohl für Xbox One* als auch PlayStation 4* gibt es die verschiedensten Varianten. Leute die weniger gern eine angepasst Konsole zu Hause haben oder bereits in Besitz einer Videospielkonsole sind, können mittels den Sondereditionen des Xbox One Controllers* oder des DualShock 4 Wireless Controllers* die eigenen Spielerfahrung kostengünstiger individualisieren.

Xbox FanFest gamescom 2015

Bei der diesjährigen E3 im Juni überraschte Microsoft mit dem Xbox FanFest und feierte im Rahmen der Branchenmesse im großen Stil mit den eigenen Fans. 500 Teilnehmer erhielten im Rahmen der Aktivitäten den Zugang zum Xbox E3 Briefing, Zutritt zum exklusiven Showcase um alle relevanten Xbox Videospiele bereits vor der Messe spielen zu können, VIP Zugang für die Xbox Party und als zusätzliche Überraschung auch Karten für die E3 selbst. Das Feedback war erwartungsgemäß positiv und die Reaktion von Microsoft war ähnlich vorhersehbar wie die Tatsache, dass jedes erfolgreiche Spiel eine Fortsetzung bekommt. Letzte Woche folgte in Köln im Rahmen der gamescom 2015 die zweite Auflage des Xbox FanFests.

Xbox FanFest gamescom 2015 - Ticket

Ein nüchtern neutraler Beitrag über eine solche Veranstaltung ist schwierig. Als Fan der Xbox spricht mich die von Microsoft initiierte und auf Xbox Fans optimierte Veranstaltung durchaus an und in Verbindung mit dem vor Ort gezeigten Engagement punktet der Konzern aus Redmond durchgehend positiv auf allen Ebenen. Aber zurück zum Blogposttitel, denn trotz fast gleichen Namen und ähnlichen Umfang wurden die Xbox FanFest Aktivitäten im Rahmen der gamescom etwas auf die lokalen Gegebenheiten adaptiert. Sowohl die Menge von 500 Fans als auch das unangenehme aber faire Auswahlverfahren mittels Warteschlange wurde beibehalten. Tickets gab es ab dem frühen Nachmittag in einem Kölner Theater für die ersten 500 Personen, die es sich teilweise bereits seit den frühen Morgenstunden am Gehsteig gemütlich gemacht hatten. Im Gegensatz zur E3 war am Dienstag der Zutritt zum Xbox gamescom Briefing aus Platzgründen nicht möglich, als Alternative gab es jedoch direkt im Anschluss an das Briefing die Möglichkeit im Rahmen des Xbox FanFest Showcases das von Microsoft im Vorfeld beworbene beste Spiele-Lineup in der Geschichte der Xbox anzuspielen. Offiziell gefolgt am Mittwochabend von der Xbox Party während einer abendlichen Schiffsrundfahrt am Rhein und der fast schon obligatorischen Ausstattung mit einem gut gefüllten Xbox Rucksack. Offiziell aus dem Grund, da im Rahmen des Xbox FanFest Showcases die bis dahin geheime Tagesaktivität für Mittwoch enthüllt wurden, denn alle Xbox FanFest Gäste wurden von Microsoft unter tobenden Applaus auf den am Mittwoch stattfindenden Fachbesuchertag der Messe eingeladen.

Der erste Absatz war die generelle Erklärung zum Xbox FanFest, der zweite Abschnitt beinhaltete die Informationen welche Aktivitäten es im Rahmen der zweiten Ausgabe gab und in diesem Textblock müsste nun eigentlich die Lobhudelei folgen. Zuerst sei festgehalten, dass jegliches Lob absolut berechtigt ist, denn was das Xbox Team letzte Woche geboten hat, hat es in dieser Form innerhalb Europas meines Wissens nach noch nicht gegeben. Es geht dabei aber nicht nur um das Rahmenprogramm selbst, sondern die Art und Weise wie mit den Leuten umgegangen wurde und auch den Hang zum Detail als auch Perfektionismus. Mein Lieblingsbeispiel hierzu beginnt noch vor dem Xbox FanFest, genauer gesagt in der Warteschlange und damit Stunden vor dem offiziellen Start. Obwohl erst Dienstagnachmittag die Zugangsberechtigung in Form eines Armbands verteilt wurde, haben es sich wie bereits erwähnt ein paar hundert Leute nicht nehmen lassen und standen seit den frühen Morgenstunden vor noch verschlossenen Türen. Das Wetter war an diesem Tag eher suboptimal, es regnete teilweise über mehrere Stunden hinweg und viele Fans in der Warteschlangen waren nur bedingt darauf vorbereitet. Die Reaktion von Microsoft? Zwei Mitarbeiter wurden losgeschickt um alle verfügbaren Regenschirme in einem in der Nähe befindlichen Geschäft zu kaufen und diese dann direkt zu verteilen, damit kein Wartender unnötig im Regen steht. Erforderlich? Nicht wirklich, denn jeder der sich auf so etwas einlässt, sollte vorher einen Blick auf den Wetterbericht werfen. Warum macht man sowas trotzdem? Weil es eine Art des Respekts ist und zeigt, dass man nicht nur als Nummer in einer Warteschlange gesehen wird. Das Verteilen der Regenschirme war im Vergleich zu vielen anderen Sachen nur eine kleine Geste, hat aber bei mir einen stärken Eindruck hinterlassen und zum Nachdenken angeregt.

Nachdenken über den strategischen Sinn des Xbox FanFests, denn was ist die Motivation dahinter 500 Fans, die zum größten Teil vermutlich bereits eine Xbox One besitzen, zwei besondere Tage vor dem öffentlichen Start der gamescom zu bieten. Das Sammeln von positiven Karmapunkten trifft es ganz gut. Microsoft bewarb die Xbox One für die gamescom mit folgendem Slogan:  Das beste Spiele-Lineup in der Geschichte der Xbox! Auf allen möglichen Kanälen wie Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, Xbox Live, Twitch und den hauseigenen Blogs wurde die Werbetrommel intensiv gerührt, aber was ist noch besser als die bereits bestehenden Fans der Konsole zu erreichen? Die Freunde der eigenen Fans und bevorzugt die Freunde der besonders aktiven und engagierten Fans. Wie selektiert man dieses spezielle Segment? Man erschafft eine Hürde bei gleichzeitiger Verknappung und lässt die Leute ein paar Stunden in einer Warteschlange anstehen um auch wirklich die gewünschten Fans zu erreichen. Die nächste Herausforderung ist dann die indirekt ausgewählten Teilnehmer zu motivieren über die persönlichen sozialen Kanäle entsprechend Stimmung für die Xbox One und natürlich für die besten Titel der Messe zu machen. Die Lösung scheint offensichtlich, denn steht diese eigentlich im vorhergehend Absatz. Videospiele exklusiv vor allen anderen spielen lassen, Eintrittskarten für den Fachbesuchertag verschenken, ein Party auf einem Boot veranstalten und Rucksäcke voller Merchandise verteilen scheint das optimale Konzept zu sein, ist aber in Wirklichkeit nur eine solide Ausgangsbasis. Um aus dieser Basis eine sinnvolle Strategie zu machen, kommen wir zum Beispiel mit den Regenschirmen zurück. Es geht um die Art und Weise wie Microsoft und das Xbox Team mit den Leuten vor Ort umgegangen ist, denn diese wurde nicht als billiger Social-Media-Werbekanal zweckentfremdet, sondern wie Gäste behandelt und diesen auf Augenhöhe begegnet. Aufforderungen etwas zu posten? Gab es nicht. Vorteile für jemanden der irgendwas im irgendwo machte? Fehlanzeige. Das Resultat war erstaunlich, denn bereits während der Zeit in der Warteschlange tauchten die ersten relevanten Beiträge auf Facebook, Twitter, Instagram sowie in WhatsApp Chatgruppen auf. Im Laufe der Xbox FanFest Aktivitäten stieg die Menge an Beiträgen deutlich an, die Grundstimmung war mehr als nur positiv, viele Fans bedankten sich glücklich beim Xbox Team für die besten zwei Tage der Messe und freuten sich über das beste Spiele-Lineup in der Geschichte der Xbox.

Das taktisch Kluge daran war zusätzlich noch der Zeitpunkt, denn Microsoft nutze die beiden Tage vor dem offiziellen Messestart für das Xbox FanFest. Zwei Tagen an denen viele gamescom Besucher noch zu Hause sind und ein Tag bevor die Flut an neuen Informationen startet. Zwei Tage in denen etwa 500 Personen ihre Freunde und Follower mit organisch positiven Xbox Nachrichten versorgten und damit primär eines machten: Die Neugier auf die gamescom Aktivitäten der Xbox One stärken und dabei gleichzeitig auf 0815-Werbeaussagen verzichten. Also im Endeffekt doch wieder eine Zweckentfremdung als Social-Media-Werbekanal? Ja und nein, denn es war die ehrliche persönliche Meinung und Stimmung der Xbox FanFest Teilnehmer und keine zwanghaft vorgegebene Werbeaussage. War dies von Microsoft indirekt beeinflusst oder gar motiviert? Relativ sicher, denn Microsoft weiß genau was funktioniert und nicht funktioniert. Das Bemerkenswerte daran? Dass Microsoft die Fans ernst nimmt, diesen Fans im Gegensatz zu anderen Ausstellern auf der gamescom auf Augenhöhe begegnet, das Xbox FanFest den Gästen einen persönlichen Mehrwert brachte und sich niemand zweckentfremdet fühlt wenn er ein Foto von Phil Spencer und sich auf Instagram postet. Well played Microsoft, well played. Und bevor ich es vergesse: Gratulation zum tastsächlich besten Spiele-Lineup in der Geschichte der Xbox!

Im Rahmen des Xbox FanFests auf der gamescom 2015 erlebten 500 Fans der Videospielekonsole aus dem Hause Microsoft die wohl besten zwei Tage in der Geschichte der gamescom. Neben dem Xbox FanFest Showcase am Dienstag bekam jeder Teilnehmer einen mit Merchandise gefüllten Xbox Rucksack, eine Eintrittskarte für den Fachbesuchertag am Mittwoch und eine Einladung zur Xbox Party, die am Mittwochabend während einer Schiffsrundfahrt am Rhein stattfand. Hinweis hinsichtlich Transparenz: Im Rahmen meiner Aktivitäten als Xbox MVP wurde ich von Microsoft zu diversen Aktivitäten während der gamescom 2015 eingeladen. Das Xbox FanFest war eine dieser Aktivitäten.

Tembo The Badass Elephant

Die Motive hinter der Entwicklung von Videospielen können vielschichtig sein, aber im Prinzip läuft es in der heutigen Zeit am Ende meistens auf das Thema Geld hinaus. Die letzten Jahre zeigten ein wirtschaftliches Wachstum der Videospielbranche und zusätzlich zu Liebe und Hingabe findet man auch immer öfter eine penibel geplante sich durchziehende Strategie in den Titeln wieder. Diese Strategie umfasst aber nicht nur das Videospiel selbst, sondern die Vermarktung dessen ist ein ebenso essentieller Bestandteil. Unabhängig von der Qualität des Titels ist die richtige inhaltliche Positionierung bei der entsprechenden Zielgruppe unheimlich wichtig. Nichts blöder als ein gutes Videospiel, welches jedoch aufgrund einer suboptimalen Vermarktungsstrategie nicht als solches erkannt wird. Damit sind jetzt nicht zwingend die Berichte über einen Titel gemeint, sondern die Methode die Personen die über ein Videospiel berichten indirekt soweit zu beeinflussen, dass genau die richtigen Themen auch transportiert werden.

Tembo The Badass Elephant - Tembo

Technisch funktioniert die Auswahl dieser richtigen Themen mittels Fokusgruppentests im Vorfeld. Dabei wird eine Liste an Funktionen und auch Screenshots einer entsprechenden Personengruppe präsentiert und versucht das Interesse anhand dieser Informationen in Zahlen abzubilden. Danach folgt eine Spielsitzung und es wird eine Bewertung der Kaufwahrscheinlichkeit durchgeführt. Ein hoher Zahlenwert im Bereich des Interesses ist unheimlich wichtig um entsprechende Neugier zu generieren und wenn dann der Wert für die Kaufwahrscheinlichkeit ebenfalls hoch ist, dann hat man neben einer optimalen Vermarktung auch ein gutes Videospiel produziert. Der schlechteste Fall ist ein geringer Wert im Bereich der Neugier, da sich dadurch auch ein gutes Spiel deutlich schwieriger verkauft als ein schlechtes Spiel mit entsprechend guter inhaltlicher Positionierung bei der Zielgruppe.

Zwei theoretische Absätze sollten reichen um den Inhalt auf die Probe zu stellen. Der Titel des Blogposts nimmt es vorweg, denn Tembo The Badass Elephant muss für den Praxisteil herhalten. Mittels kurzen Blick auf die Pressemeldung kann diese auf folgende Kernelemente reduziert werden: Der Entwickler sind die Pokémon-Macher Game Freak, die Veröffentlichung erfolgt durch Sega, wilder 2D Side-Scroller, 18 Level mit Rätselelementen, ungewöhnlicher Grafikstil, schräger Humor und der namensgebende Elefant als Spielfigur. Die Screenshots zeigen ein handgezeichnetes Cartoon-Spiel mit einem Elefanten im Kampfeinsatz. Mal mit Rüsselhammer, mal beim Niedertrampeln von violetten Gegner oder dem Zerschmettern der Spielwelt mittels Gesäß-Attacke.

Mein Interessefaktor auf Basis dieser Informationen ist um ehrlich zu sein relativ gering. Zwar hat Game Freak mit den Spielen der Pokémon-Serie seit Jahren qualitativ gute Arbeit geleistet, jedoch als Zielgruppe eher jüngere Spieler angesprochen. In der englischsprachigen Wikipedia sind zwar eine Handvoll anderer Videospiele des Entwicklers angeführt, kennen oder gar einen Bezug kann zumindest ich zu keinem herstellen. Beim Rest wird es schwierig und teilweise auch diffus, da die Positionierung einfach widersprüchlich ist. Die Spielmechanik in Form eines wilden 2D-Side-Scroller mit Rätselelemente passt offensichtlich nur bedingt zusammen und die Auflistung des ungewöhnlichen optischen Stils, des schrägen Humors und einem Elefanten als Spielfiguren wirkt als ob man einfach alle möglichen Spitzenresultate aus nicht zusammenhängenden Umfragen in ein Videospiel gepackt hat. Der Spieltitel macht es nicht besser, da er eigentlich nichts transportiert und mehr darauf abzielt aufgrund der Banalität im Gedächtnis zu bleiben.

Der zweite Faktor ist die Beurteilung der Kaufwahrscheinlichkeit nach der Spielsitzung und genau jetzt wird es merkwürdig. Tembo The Badass Elephant hat mich überrascht, wirklich positiv überrascht. Titel und die Vorabinformationen haben mich ein Tembo The Rambophant erwarten lassen, was ich wirklich gespielt habe war ein gefühlt klassischer 2D-Plattformer, bei dem ich zwar durch zig Wände und Türen rausche, aber dabei zu jedem Zeitpunkt die volle Kontrolle über meine Spielfigur und auch das Spieltempo habe. Langsam und taktisch vorgehen? Überhaupt kein Problem und realistisch betrachtet auch erforderlich um spätere Level freizuschalten. Die angepriesene verrückte Geschichte ist auch da, aber im Prinzip sowas von egal, dass diese nicht mal auffällt oder relevant ist. Man steuert mit dem Elefanten durch verschiedene Umgebungen, sammelt Punkte durch das Eliminieren verschiedener Gegnertypen die unterschiedliche Angriffstaktiken erfordern und erhöht seine Lebensanzahl durch das Verzehren von Erdnüssen. Im letzten Satz ist tatsächlich das Wort Taktik vorgekommen, denn obwohl man beim Titel eher sinnfreies Dauerdrücken von Knöpfen erwarten würde, funktioniert diese Taktik in den seltensten Fällen. Angriffsmuster des Gegners erkennen, Angriffstaktik entwickeln, Objekten drum herum ausweichen und die Planung in die Spielrealität umsetzen.

Eine weitere Sache die rasch auffällt ist die Thematik der ungewöhnlichen handgezeichneten Cartoon-Grafik, die auf den Bilder teilweise eher hässlich sowie überladen wirkt. Wirken ist auch das richtige Wort, denn ich persönlich habe noch nie einen schöneren handgezeichneten Videospielelefanten als Tembo gesehen. Tembo läuft, hüpft, schwebt und schlägt sich einfach nur butterweich durch die ebenso hübschen Spielwelten. Alles Eigenschaften denen die Bilder definitiv nicht gerecht werden und die man aufgrund der Beschreibung leider ebenso wenig erwarten würde.

Tembo The Badass Elephant hat und macht mir unheimlich viel Spaß, macht mich aber gleichzeitig auch traurig. Der Titel ist unabhängig von der inhaltlichen Ausrichtung bei der Vermarktung erfrischend anders und spielt sich auch unheimlich gut und knackig. Jeder der mit 2D-Plattformern etwas anfangen kann und ein unterhaltsames Videospiel vor dem von Titeln überladenen Herbst sucht, muss eigentlich sein Ja zu Tembo geben. Dabei sollte man jedoch möglichst schnell den Spielnamen als auch die Ausrichtung als verrückt witziger Klamauk verdrängen und sich einfach optisch und spielerisch positiv überraschen lassen.

Gespielt wurde die Xbox One Version von Tembo The Badass Elephant. Neben der Xbox One gibt es auch eine Version für die PlayStation 4 sowie den PC. Seit Mitte Juni 2015 ist der Titel rein digital im Xbox Store, dem PlayStation Network, auf Steam sowie im Humble Bundle Store für etwa 13 Euro erhältlich. Auf den Konsolen gibt es zusätzlich noch eine kostenlose Testversion, die eigentlich spätestens jetzt geladen und angespielt werden muss. Hinweis hinsichtlich Transparenz: Sega hat mir einen Xbox One Download Code für Tembo The Badass Elephant zur Verfügung stellt.