Secret Of 99

Es ist Montagmorgen und während ich nachdenklich dem Wasserkocher beim Verrichten seiner Arbeit zusehe, huscht ein Kollege in Richtung Kaffeemaschine. Fast schon ritualmäßig wird die Ruhe in der Küche mit der üblichen Frage zum Wochenanfang gebrochen: Wie war das Wochenende? Erst als ich meinen Mund öffne wird mir bewusst, dass mein Wochenende den Umfang des sonst in Büroküchen üblichen Smalltalks sprengen würde. Es war ein langes, anstrengendes, geniales, witziges und auch befriedigendes Wochenende, ein Wochenende welches mich irgendwie an ein typisches Videospiel-Adventure erinnert und welches ich nicht so schnell vergessen werde.

Secret Of 99 - Hinweise

Die Kurzform? Am Freitagabend ging es mit dem Auto nach Wien, weiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem Hotel am Westbahnhof, dort wurde die Nacht verbracht um pünktlich am nächsten Morgen durch eine noch fast menschenleeren Bahnhofshalle zu hetzen und kurze Zeit später im Zug auf dem Weg nach Linz zu sitzen. Den restlichen Tag über folgte eine aufwändige Rätsel-Rally quer durch die oberösterreichische Landeshauptstadt, ein Kurzbesuch im Casino um schließlich kurz vor Mitternacht mit zwei weiteren Mitspielern das Geheimnis von Secret of 99 zu lüften. Viel Programm für 17 Stunden? Ja, obwohl es nur die Kurzform ist, aber alles der Reihe nach.

Secret of 99 startete Anfang Mai als Twitter Account. Es galt Rätsel in Form von Geo-Koordinaten zu lösen, jedoch ohne wirkliche Begründung und Erklärung warum oder weshalb. Die Systematik der Rätsel blieb ähnlich, wodurch meine Motivation und mein Interesse relativ rasch nachgelassen hatten. Dies änderte sich ein paar Tage später, als ohne Vorankündigung oder Registrierung ein Handy samt SIM Karte in meinem Briefkasten landete. Getrieben durch die erneut erweckte Neugier wer hinter dem Twitter Account steckt blieb ich dran, um Anfang Juni in der zweiten Phase mit Hilfe von Geo-Koordinaten versteckte Aufkleber in fünf Landeshauptstädten zu suchen. Kurz nach dem Ende der Suche folgte die Einladung zur letzten Phase nach Wien. Weiterhin ratlos wer dahinter steckt, packte ich meine Sache um mich an einem Samstagmorgen um 07:15 Uhr am Westbahnhof Wien einzufinden. Jegliche Versuche die Spielmacher hinter der anfangs digitalen und nun realen Schnitzeljagd ausfindig zu machen sind bis dahin gescheitert und ohne überhaupt zu wissen auf was ich mich einlasse, startete das Abenteuer pünktlich mit einer einfachen Nachricht auf Twitter: Es geht los: Sende uns nun ein Selfie, auf dem du gut zu erkennen bist …

Der Rest des Tages würde den Umfang des Beitrags sprengen und kann in nacherzählter Form niemals das an dem Tag erlebte wiederspiegeln. Falls dennoch jemand Interesse hat, der Tag in Form von Stichworten und Links auf Twitter: Mann im Bahnhof finden, iPod mit Hinweis erhalten, Schließfach suchen plus ein Kuvert finden, Worträtsel lösen, Fotoherausforderung absolvieren, das nächste Kuvert finden, sich fragen was man hier überhaupt macht, mit zwei weiteren Teilnehmern sowie Begleitpersonen mit dem Zug nach Linz fahren, historische Rätsel im Mariendom lösen, von einem Kamerateam verfolgt mehrmals quer durch Linz jagen, sechzehn Buchstaben sammeln, in der Bibliothek im Wissensturm ein Lösungswort suchen, unter stetiger Beobachtung kurz Mittagessen, den Deep Space im AEC erkunden, mittels Boot auf der Donau weitere Hinweise suchen, den Höhenrausch erklimmen, im Hotel überraschend Abendkleidung finden, während des Abendessens weitere Rätsel lösen, im Casino beim Roulette alles auf Schwarz setzen (und fast gewinnen), bis wenige Sekunden vor dem Finale nicht einmal wissen wo oder wie dieses eigentlich stattfindet und sich am Ende eines sehr langen Tages mit der Gewinnerin über ihren Preis freuen und gleichzeitig herauszufinden, dass Mercedes-Benz Österreich mit dem CLA Shooting Brake hinter der gesamten Kampagne steckt.

Klingt nach einem ausgefüllten Programm? War es auch und in der fast schon endlosen Aufzählung im vorherigen Absatz finden sich bei weitem nicht alle Aufgaben und Herausforderungen. Es war natürlich nur eine Werbekampagne, aber eine extrem gut umgesetzte Werbekampagne. Was als kleine Rätselei auf Twitter begonnen hat, wurde zu einer extrem aufwändigen Schnitzeljagd in Linz, bei der jeder Schritt penibel geplant und koordiniert war. Dass für mich faszinierende am Spiel war, dass weder ich noch die beiden anderen Teilnehmer auch nur annähernd eine Idee hatten was auf uns zukommt, was im Laufe des Tages noch so passieren wird oder wer dahinter steckt. Wir bekamen ausschließlich via Twitter die Informationen und jegliche persönliche Kontaktaufnahme mit den Spielmachern wurde mit eisernem Schweigen beantwortet. Permanent unter der Beobachtung von Kamerateams sowie den Spielmachern wurde sich um alles gekümmert und ein fast schon surrealer Tag erlebt, so surreal wie in einem Videospiel-Adventure.

Mein höchster Respekt an das Team hinter der Kampagne, welches nach dem Finale im Rahmen einer kleinen aber sehr feinen Party endlich redete und alle Fragen beantwortete. Die Vorstellung, dass man drei Leute via Twitter auswählt, diese quer durch Österreich schickt und dann mit minimalen Informationen auf eine nicht wirklich kontrollierbare Umgebung in Form der Stadt Linz loslässt ist für mich mehr als nur spannend. So wie wir als Teilnehmer permanent überrascht wurden, haben wir danach erfahren, dass auch das Team der Spielmacher mehr als nur einmal von uns überrascht wurde. Sei es durch verrückte Aktionen wie das unerwartete Durchsuchen des Restaurants um einen Hinweis zu finden, die hohe Lösungsgeschwindigkeit, die fehlende Rivalität oder der enge Zusammenhalt sowie die positive und gute Stimmung unter den Teilnehmern.

Zusammengefasst war es ein langes, anstrengendes und geniales Wochenende im Rahmen von Secret of 99, welches ich nicht so schnell vergessen werde. Ein großes Danke geht an das großartige Team Spielmacher, an Mercedes-Benz Österreich und natürlich an @jhaslauer sowie die Gewinnerin @anna_lionne. Ich wage zu bezweifeln, dass man bessere Konkurrenten Mitspieler als die Beiden haben kann und erst durch sie ist der Tag in Linz für mich zur spannendsten Challenge meines Lebens der letzten Jahre geworden.

Secret of 99 war eine Werbekampagne für den CLA Shooting Brake von Mercedes-Benz Österreich in Form einer Schnitzeljagd auf Twitter sowie durch die Großstädte von Österreich. Gesteuert durch das Pulpmedia Team als Spielmacher durfte ich einen Tag wie in einem Videospiel-Adventure erleben und hatte unheimlich viel Spaß dabei. Hinweis hinsichtlich Transparenz: Bis zum Ende wusste keiner der Teilnehmer und natürlich auch ich nicht wer hinter der Kampagne steckt. Jegliche Kosten für das Finale (Zugfahrten, Essen, Abendkleidung, Eintritte oder Hotelübernachtungen) wurden für alle drei Finalisten inklusive je einer Begleitperson übernommen.

E3 2015 Predictions – Xbox Edition

Ich mag es Beiträge mit Geschichten aus meiner Vergangenheit zu beginnen. Es ist dieser leicht sentimentale Rückblick auf die Zeit früher, früher als nicht immer alles besser war, aber anders. Es war ein paar Jahre vor der Jahrtausendwende, als ich mich erstmals verstärkt mit dem Medium Videospiele beschäftigte. Damals, ich war noch jung, da war das Internet nicht wirklich weit verbreitet, die Abrechnung erfolgte auf Minutenbasis und es war extrem teuer. Printmagazine waren meine primäre Informationsquelle und es gab für mich zwei besondere Ausgaben pro Jahr. Zum einen die Ausgabe im November mit den Testberichten der Videospiele die man sich als Schüler vom Christkind wünscht und die Ausgabe im Juli. Gefüllt mit Vorschauberichten von der E3 war es der jährliche Ausblick in die Zukunft gekoppelt mit dem Traum selbst mal durch die Türen des Los Angeles Convention Centers zu gehen, der dann 2006 dank Electronic Arts für mich zur Realität wurde.

E3 2015 Wunschkonzert – Xbox Edition - Media Briefing Invite

Wir springen weiter in die noch nahe Vergangenheit, nämlich zur E3 2013. Im Rahmen von aufwändigen Media Briefings wurde die heute aktuelle Konsolengeneration konkretisiert, sowie die künftige Strategie der Plattformbetreiber erkennbar. Für Microsoft und die Xbox One war es freundlich formuliert eine eher schwierige E3 mit noch schwierigeren Feedback von Spielern, Fans und den Medien. In Redmond wurde reagiert und innerhalb von einem Jahr folgten ein Austausch des Managements, ein Strategiewechsel und eine massive Änderung in der Art der Kommunikation nach außen. Ein Jahr später auf der E3 2014 wurden die getroffenen Maßnahmen für eine breitere Masse sichtbar und Microsoft feierte mittels einer von viel akustischen Woop Woop begleiteten Show die neue Zukunft der Xbox One. Aber ich schweife ab mit Geschichten aus der Vergangenheit, Zeit in die Zukunft zu blicken.

Die E3 2015 steht vor der Tür und was erwarte sowie wünsche ich mir als Xbox Fan von Microsoft? Um ehrlich zu sein, erwarte ich nicht wirklich etwas Neues. Das klingt langweiliger als es tatsächlich ist und liegt daran, dass ich mit einem Alter von über 30 Jahren gefühlt zu einem Videospieldinosaurier geworden bin oder dass durch die vorhandene Nachrichtenflut einfach die Neugier nachgelassen hat. Alternativ könnte es natürlich auch an meinem gestiegenen Interesse der wirtschaftlich strategischen Ausrichtung der Videospielindustrie liegen, denn die Marktgröße hat meiner Ansicht nach eine so kritische Dimension erreicht, dass Konsolenhersteller im Gegensatz zu früher viel konservativer agieren. Es gilt mehr die Masse zu zufrieden zustellen und weniger durch Experimente gegebenenfalls negativ aufzufallen. Microsoft war 2013 dort, hat seine Lektion gelernt und wird nicht so schnell erneut in diese Falle tappen.

Aber nun zur Xbox Edition des Wunschkonzerts und des Ausblicks, welcher im Segment der Videospiele den zuvor beschriebenen und von der Masse gut angenommenen konservativen Trend fortsetzt. Jeder der glücklich mit den Videospielen der letzten fünf Jahre war, wird auch mit der diesjährigen Auswahl mehr als glücklich sein. So werden wir vermutlich die ersten Spielszenen aus der Kampagne von Halo 5: Guardians, hübsche Polygone für Autofetischisten in Forza Motorsport 6, neue Sequenzen von Lara Croft in Rise of the Tomb Raider und zwecks Steigerung der Diversität noch etwas Fable Legends zum drüber streuen sehen. Allesamt bereits im Vorfeld angekündigte Fixstarter, die mit überarbeiteten Xbox One Versionen der Gears of War sowie der Fable Reihe ergänzt werden könnten. Microsofts Indie Initiative ID@Xbox bekommt den mittlerweile üblichen Trailer, das seit ein paar Monaten angekündigte Rock Band 4 wird wohl sein Bühnendebut haben und zum Schluss wird man wohl endlich etwas von Battletoads zu sehen bekommen.

Bei der Konsole selbst ist es relativ ähnlich, da das Motto nicht Revolution sondern Evolution lautet. Der neue Xbox One Controller mit integrierter 3,5mm Headsetbuchse ist so wie neue Xbox One Bundles quasi das diesjährige Pflichtprogramm. Möchte Microsoft einen Schritt weiter gehen, ist das Upgrade der Festplatte auf 1 TB sowie die Integration des derzeit als Zubehör erhältlichen TV-Tuners für mich am realistischsten vorstellbar. Windows 10 als neues Betriebssystem für PC und Konsole bildet schlussendlich mit der bereits im halböffentlichen Test befindlichen Xbox App sowie Microsoft HoloLens einen kurzen visionären Ausblick in ein voll vernetztes Leben im erweiterten Unterhaltungsuniversum von Microsoft. Liest sich unspektakulär? Technologie klingt nieder geschrieben meist unspannend. Aber es ist dennoch spannend, denn kein anderer Hersteller könnte aktuell eine solch universelle Strategie umsetzen, die dann auch tatsächlich erstmals funktionieren und aufgehen könnte.

Microsoft wird dieses Jahr im Bereich der Xbox den Kurs des letzten Jahres weiterverfolgen und erneut die starke Spieleauswahl in den Vordergrund stellen. Aber dann ist da noch diese eine Sache, die ich mir persönlich wirklich im Rahmen der E3 2015 für die Xbox One wünsche, die aber leider im Fall der Fälle keine Erwähnung finden wird: Xbox Live Cloudservices. Klingt technisch, langweilig und irgendwie bekannt? Jup, denn im Rahmen der E3 2013 wurde die Leistung der Cloud mehrfach vom Teleprompter gelesen. Leider lässt zwei Jahre nach der Ankündigung die Integration zu wünschen übrig und abgesehen von den Mehrspielerpartien in Titanfall und Forza Motorsport 5 wurde es eher ruhig um die Xbox Live Cloudservices. Ich will mehr davon, viel mehr davon. Alle Mehrspielerpartien sollten über Server in der Xbox Live Cloud abgebildet werden, alle Xbox Live Partys müssen künftig in der Xbox Live Cloud laufen und jedes Spiel sollte nicht zeitkritische rechenintensive Aufgabe auf Hochleistungsserver berechnen lassen können. Mir ist bewusst, dass dadurch eine Verbindung zum Internet zwingend erforderlich ist und eine solche Entscheidung vor zwei Jahren stark negativ aufgefasst wurde. Aber wenn ich mir dieses Jahr wirklich nur eine Sache wünschen darf, dann ist es tatsächlich die verstärkte Nutzung der Xbox Live Cloudservices. Wenn anhand tatsächlicher Anwendungsfälle die Vorteile einer solchen Kopplung demonstriert werden, dann besteht meiner Ansicht nach nur eine geringe Gefahr bezüglich negativen Feedbacks trotz quasi experimenteller Nutzung von Technologie. Gleichzeitig wäre es der spannendste Schritt seit der Xbox One Ankündigung vor zwei Jahren, welcher der bereits guten Basis von Xbox Live einen spürbaren sowie nachhaltigen Schub in Richtung Zukunft geben könnte und ebenso für eine wirklich neue Generation an Videospielen sorgen kann.

Microsoft starten als erster der drei großen Konsolenhersteller in die E3 2015 Woche am 15. Juni um 18:30 unserer Zeit mit dem Xbox E3 2015 Briefing, welches live auf der Xbox One sowie auf Xbox.com übertragen wird. Danach gibt es tägliche Zusammenfassungen von Ankündigungen, Spielepräsentation und Interviews mit Entwicklern im Rahmen der einstündigen Live Show Xbox Daily. Alle Informationen zur E3 aus Xbox Sicht gibt es unter http://www.xbox.com/e3.

Xbox ist langweilig und doof? Unvorstellbar, aber es gibt natürlich auch eine Videospielwelt außerhalb der grünen Plattform. Dieser Beitrag ist als Gastbeitrag bei den Kollegen des Continue Magazins erschienen. Das Team dort hat ebenso ein persönliches Wunschkonzert für die E3 2015 verfasst und sind wir mal ehrlich, wer träumt nicht von Red Dead Redemption 2, einem neuen Abenteuer mit Fox McCloud und dem wirklichen Nachfolger von Banjo-Kazooie.

Assassin’s Creed Chronicles: China

Gefühlt relativ leise wurde vor wenigen Wochen der erste Teil der Assassin’s Creed Chronicles Trilogie auf den digitalen Markplätzen der aktuellen Videospielkonsolen sowie auf Uplay für den PC veröffentlicht. Ungewöhnlich unauffällig für Ubisoft, da das im Jahr 2007 eingeführte Assassin’s Creed Franchise mittlerweile die für das französische Unternehmen stärkste und wirtschaftlich wichtigste Marke darstellt. Begründet liegt es wohl darin, dass das Spiel mechanisch wenig bis nichts mit den bisherigen Teilen der Serie zu tun hat und damit eher die Rolle des Exoten im bisherigen Assassin’s Creed Spieleuniversum einnimmt.

Assassin's Creed Chronicals China - Logo

Stellt sich nur die Frage was ist Assassin’s Creed Chronicles: China? Nüchtern betrachtet ein äußerst hübscher 2D Plattformer mit starkem Fokus auf das Schleichen und einem eher selten gut funktionierenden Kampfsystem. Über diese Basis wurden optische, inhaltliche und spielmechanisch reduzierte Elemente der Serie gezogen und das Resultat zusätzlich auf die Antworten von unterschiedlichen Fokusgruppenbefragungen ausgerichtet. Die beiden letzten Sätze klingen vermutlich etwas hart und sind es auch aus der Perspektive eines Assassin’s Creed Fans. Es ist aber relativ genau das Gefühlsergebnis, welches ich im Laufe des etwa fünf Stunden langen Abenteuers hatte: Anfangs optimistisch motiviert, mittendrinnen etwas enttäuscht und gegen Ende hin teilweise genervt.

Aber schauen wir uns die einzelnen Punkte der Reihe nach an, um zu verstehen, was meine Probleme mit Assassin’s Creed Chronicles: China sind. Als Spieler hat man die Kontrolle über die letzte Assassinin der chinesischen Bruderschaft, kehrt zwecks Rachefeldzug zurück in die Heimat und schleicht sich durch mehr oder weniger bekannte aber durchgehend hübsche Schauplätze um mehr oder weniger bekannten historischen Figuren zu treffen oder diese zu eliminieren. Der Weg zum Ziel ist im Prinzip relativ einfach: Abschnitt betreten, das Bewegungsmuster sowie die für den Spieler gekennzeichneten Sichtkegel der Gegner studieren, mögliche Verstecke und Gefahren erkennen, einen Plan überlegen und diesen dann umsetzen. Solange alles gut geht und man nicht entdeckt wird, funktioniert die Spielmechanik einwandfrei und ist auch durchaus befriedigend. Man eliminiert Gegner aus dem Gebüsch oder Heuhaufen, führt ein Attentat von der Decke hängend aus oder lenkt gezielt mittels Pfeifen oder Knallkörper einzelne Gegner ab. Wird man jedoch entdeckt, funktioniert die Spielmechanik leider nur noch bedingt. Zum einen weil das Kampfsystem und die träge manchmal auch willkürlich wirkende Kampfsteuerung eher so lala sind, weil man nach zwei oder drei Treffern stirbt und danach leicht frustriert am Beginn des Abschnitts wieder startet oder mit mehr Glück als Verstand einen Wechsel der Ebene in den Vorder- oder Hintergrund schafft. Obwohl der Titel gerne als 2,5D Plattformer vermarktet wird, bleiben alle Gegner sowie deren Sichtkegel steif in der eigenen dann doch wieder nur 2D Ebene gefangen und Gegner verlieren den Spieler dadurch einfach aus dem Fokus, aber dazu später mehr.

Über das Kampfsystem und den schnellen Tod kann ich zumindest irgendwie hinwegsehen, da der spielerische Fokus auf dem Schleichen und der sorgfältigen Planung liegt. Schwieriger wird es jedoch beim Verhalten der Gegner, da dadurch die eigentlich vom Spiel erzeugte Illusion nicht mehr funktioniert. Da wird man gesehen wenn man eine Leiche verstecken möchte und innerhalb von Sekunden ist alles wieder im grünen Bereich, da man glücklicherweise gerade in den Ebene wechseln kann und dies auch tut. Das Sichtfeld des Gegners bleibt in der alten Spielebene und auch die Alarmierung lässt die gegnerischen Kollegen im Vordergrund absolut unbeeindruckt, während sich in der zuvor aktiven Ebene eine kleine unbesiegbare Armee zusammenrottet. Eine Situation die vielleicht eher selten vorkommen mag, aber wenn doch, relativ stark die Limitierungen des spielerischen Regelwerks aufzeigt. Ähnliches gilt wenn sich zwei Gegner miteinander unterhalten. Egal was neben, über oder unter den Beiden passiert, sie bekommen nicht mal eine Explosion während ihres Gesprächs mit. So gut die optische Illusion von Assassin’s Creed Chronicles: China auch sein mag, es ist unheimlich Schade, dass diese durch das unlogische Verhalten der Gegner gebrochen wird.

Der für mich schwierigste und wohl kritischste Aspekt ist die meine eigene zum größten Teil leider falsche Erwartungshaltung. Wo Assassin’s Creed drauf steht, erwarte zumindest ich irgendwie Assassin’s Creed. Assassin’s Creed Chronicles: China ist ein 2D Plattformer mit Schleichkomponente dem gefühlt teilweise lieblos der Assassin’s Creed Hut übergezogen wurde. Den berüchtigten Sprung von einem Vorsprung in der Heuhaufen? Gibt es, bringt aber spielerisch quasi nichts. Heuhaufen als Verstecke? In Summe etwa vier Mal vorhanden um irgendwie einen Bezug zum Franchise zu haben. Wurfmesser und Helix Sammelobjekte? Rein damit, auch wenn man diese nicht wirklich braucht. Emotional verschlimmert wird dies noch durch die inhaltliche Platzierung in China und bei den folgenden Teilen in Indien und Russland. Alle drei Szenarien sind Fanfavoriten für künftige Spiele und scheinen jetzt als optische Hülle für einen ohne Lizenz wohl eher schwieriger vermarktbaren Download-Titel zu dienen.

Genug kritisiert, denn Kritik ist immer einfach. Was müsste man meiner Ansicht nach machen um Assassin’s Creed Chronicles: China besser zu machen? Die Antwort und Lösung ist simpel, auch wenn diese aus heutiger Perspektive praktisch unmöglich für Ubisoft umzusetzen ist: Das Spiel nicht in das Assassin’s Creed Universum stecken, den Entwicklern nicht den spielerischen Zwangsbalast der Marke auferlegen und versuchen das Spiel in Form einer eigenständige Marke langsam zu etablieren. Dadurch fallen viele aufgezwungene Spielmechaniken weg und noch viel wichtiger, die Enttäuschung von Fans der Serie ist aufgrund der nicht mehr vorhandenen Erwartungshaltung kein Problem mehr und kann auch nicht gefährlich auf die mechanisch klassischen Spiele der Serie abfärben. Mit zusätzlichen kleineren Anpassungen des Kampfsystems und der Integration von in 2,5D denkenden und agierenden Gegner hätte das Spiel durchaus Potential eine Bereicherung für das Genre zu sein. So ist Assassin’s Creed Chronicles: China leider nur ein eher exotischer Ableger im Spieleuniversum, der Fans wie mich aufgrund einer zu hohen Erwartungshaltung leider nur bedingt begeistern kann.

Bitte nicht falsch verstehen, denn Assassin’s Creed Chronicles: China ist grundlegend kein schlechtes Spiel, es kann aber niemals die sehr hohe Erwartungshaltung erfüllen. Anders sieht es hingegen aus wenn man sich ohne Serienvorkenntnisse an das Spiel wagt, denn dann gibt kurzweilige Schleichkost für einige Stunden und die angeführten Wehwehchen fallen deutlich weniger ins Gewicht als wenn man seit mehr als acht Jahren ein Zweitleben als Assassine führt.

Gespielt wurde die Xbox One Version von Assassin’s Creed Chronicles: China. Neben der Xbox One gibt es auch eine Version für die PlayStation 4 sowie den PC. Der erste Teil der Assassin’s Creed Chronicles Trilogie ist rein digital im Xbox Store, dem PlayStation Network sowie Uplay für etwa 10 Euro erhältlich. Die beiden angekündigten Folgeteile spielen in Indien sowie Russland, werden im Laufe des Jahres ebenso rein digital auf den digitalen Marktplätzen erscheinen und vermutlich im Herbst gesammelt in Form eines physische Datenträger im Handel auftauchen. Spieler ohne Bezug zu Assassin’s Creed können durchaus zwecks kurzweiliger Unterhaltung zugreifen. Fans der Serie sollten vor dem Kauf die eigene Erwartungshaltung entsprechend anpassen um nicht unnötig in die Enttäuschungsfalle zu tappen. Hinweis hinsichtlich Transparenz: Ubisoft hat mir einen Xbox One Download Code für Assassin’s Creed Chronicles: China zur Verfügung stellt.