Trials Fusion

Gefühlt jeder Beitrag über Trials Fusion beginnt mit den ersten Textzeilen aus dem supercatchy Soundtrack des Hauptmenüs. Dieser Beitrag nicht. Klingt nach einem Klischee, trifft aber zu. Trials Fusion ist ein unterhaltsamer Hybrid, der es aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet versucht allen Recht zu machen, daran zwangsläufig scheitern muss, aber dennoch unterhaltsam ist. Gleichzeitig und vermutlich auch ungewollt repräsentiert Trials Fusion den Prototypen eines Spiels der nächsten Konsolengeneration. Das Überraschende dabei? Es nervt mich nicht so wie ich es bei der Ankündigung der Xbox One und PlayStation 4 befürchtet habe. Ich meine jetzt nicht Trials Fusion, sondern die darin umgesetzten Grundkonzepte mit allen Vor- und Nachteilen.

 Trials Fusion - Backstage Pass

Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht. Das Spiel orientiert sich stark an den beiden Vorgängern, deren Kenntnis aber zu keinem Zeitpunkt Voraussetzung ist oder realistische Vorteile bringt. Trials Fusion ist ein Titel mit dem man problemlos in das Franchise einsteigen kann. Aber was ist Trials Fusion überhaupt? Definitiv kein Rennspiel. Spielerisch viel mehr ein Plattformer, bei dem der vom Spieler gesteuerte Charakter auf einem Motocross Bike / Quad / BMX Bike sitzt und einen Parcours im Regelfall möglichst schnell und im optimalen Fall ohne Fehler absolvieren soll. Der Gegner ist die Physik des Gefährts während der Beschleunigung, beim Bremsen, dem Absprung und der Landung gepaart mit der Gewichtsverlagerung des Fahrers. Gefahren wird alleine gegen vorgegebene Zeiten um Medaillen zu erhalten, gegen die Zeiten der Plattformfreunde zwecks sozialem Ätschibätschi Direktvergleich und sich selbst zur stetigen Steigerung der eigenen Leistung. Medaillen schalten neue Abschnitte mit neuen Strecken frei. Durch das Erfüllen von optionalen Streckenaufgaben, dem Unterbieten anderer Zeiten und anderen Tätigkeiten erhält man Geldeinheiten, durch die man optische Änderungen am Fahrzeug und Fahrer in der Werkstatt erwerben kann.

Klingt unspannend, was es auch ist. Spannend wird es erst durch einen selbst, wenn man versucht seine eigene Leistung stetig zu verbessern. Zu Beginn zwecks Medaillen um weiter zu kommen, später gegen die Plattformfreunde und sich selbst um seine Position in der Rangliste zu festigen und den Vorsprung gegenüber dem Rest der Welt auszubauen. Gereiht wird zuerst nach Anzahl an Fehlern, danach nach Zeit. Eine gefährliche Kombination die teilweise gewollte Frustmomente hervorruft und dafür sorgt, dass man Stunden an einzelnen Strecken sitzt, deren Fahrzeit meist unter zwei Minuten liegt.

Klingt gut, was es leider nicht immer ist. Die beschriebenen Aspekte sind die optimale Wirkung des Spiels, für die es etwas Zeit braucht und die Überwindung einer massiven Frustschwelle. Vermutlich im Rahmen der Optimierung für alle Zielgruppen sind viele Bereiche im Vergleich zu den Vorgängern deutlich optimiert und andere eher stiefmütterlich behandelt worden. Das Trials-Franchise war spielerisch nie einfach und wollte es auch nie sein. Frust war immer schon der treibenden Faktor in Richtung Spaß, wodurch aber weniger erfahrene Spieler oder Spieler mit geringer Ausdauer schnell an die eigenen Grenzen gestoßen sind und nur die ersten Abschnitte überhaupt zu Gesicht bekommen haben. Der Lösungsansatz bei Fusion ist die Reduzierung des Schwierigkeitsgrads in den ersten Abschnitten, danach eine minimale Lernkurve die plötzlich von einem zum anderen Abschnitt zu einer Wand wird. Damit sehen zwar Neulinge mehr vom Spiel als bei den Vorgängern, die nicht vorhandene Lernkurve von machbar auf fast nicht machbar sorgt über für einen unangenehm großen Frustmoment.

Klingt uncool, ist es aber nicht wirklich. Ich, der wohl schlechteste Trials Spieler aller Zeiten mit einer gefühlt niedrigen Frustschwelle, habe es geschafft die senkrechte Wand zu bezwingen, dadurch alle Abschnitte inklusive aller Strecken der Basisversion freigeschaltet, hatte Spaß dabei, fühlte mich gut unterhalten und war am Ende auch ein kleines bisschen Stolz auf mich. Um einen Schritt weiter zu gehen, ich bilde mir sogar ein, dass ich Fortschritte bei der Grundmechanik des Spiels machte und aufgrund etlicher Fehlversuche meine Fähigkeiten nachhaltig gesteigert habe, zumindest meistens. Einzelne Strecken erfordern die Nutzung spezieller Techniken wie dem Bunnyhop, bei dem kurz vor dem Absprung mit Hilfe der Gewichtsverlagerung des Fahrers die Höhe, Weite und Geschwindigkeit des Sprungs deutlich beeinflusst werden kann. Auch nach etwa zehn Stunden Spielzeit ist trotz grundlegendem Verständnis jeder Bunnyhop mehr Zufall als Können. Aussicht auf Besserung? Gering, sehr gering. Aber unabhängig davon, was hat es mit dem Begriff Basisversion auf sich?

Klingt nach Abzocke, ist es glücklicherweise nicht. Für mich ebenso spannend wie die Herausforderungen selbst ist der wirtschaftliche Aspekt um Trials Fusion, denn in meinen Augen ist es das Paradebeispiel eines Spiels der nächsten Konsolengeneration. Mit dem letztjährigen Start der nun aktuellen Konsolengeneration ist die Grenze zwischen den zuvor vorhandenen Downloadtitel und klassischen Titel noch stärker verschwommen. Als Resultat gibt es Trials Fusion als Basisversion um 20 Euro in den digitalen Marktplätzen und als Deluxe Version um 40 Euro im klassischen Handel, so zwecks Erreichen einer deutlich größeren Zielgruppe als bei einer rein digitalen Veröffentlichung. Der inhaltliche und preisliche Unterschied ist der inkludierte Season Pass in der Deluxe Version, der das Spiel um sechs Inhaltspakete zum Herunterladen innerhalb des nächsten Jahrs erweitert und natürlich auch um etwa 20 Euro für die Basisversion digital nachgekauft werden kann. Grundlegend nichts ungewöhnlich, jedoch bleibt ein leicht bitterer Beigeschmack im direkten Vergleich zum Vorgänger in Bezug auf niedrigere Kosten und deutlich größerem Umfang. Für mich nur leicht, da ich trotz des geringen Umfangs mehr Abschnitte von Trials Fusion gesehen habe als von Trials Evolution. Warum? Schlechtester Trials Spieler aller Zeiten und so. Aber warum die Retailversion nicht auch um 20 Euro verkaufen? Weil bei physischen Käufern die Kaufwahrscheinlichkeit für den Season Pass eher gering ist, Ubisoft das Preisniveau für neue Spiele im Handel aus psychologischer Sicht nicht auf ein 20 Euro Niveau senken möchte und vermutlich die Handelsmarge bei 40 Euro höher liegt was Händler wohl glücklicher macht.

Klingt jetzt dann wohl nach Abzocke im Spiel, ist aber auch nicht der Fall. Im Spiel selbst verdient man durch unterschiedliche Aktionen Geldeinheiten, mit denen man rein optische Anpassungen für Fahrzeug und Fahrer kaufen kann. Schreit zwar nach Micropayments, die es aber überraschenderweise nicht gibt. Wenn doch, wäre es aufgrund des fehlenden direkten Vorteils übrigens egal. Und am Smartphone? Trials Frontier ist der kleine iOS Bruder, der auf dem Free-2-Play Konzept basiert und in Verbindung mit Trials Fusion einen speziellen rein optischen Rennanzug freischaltet. Neben dem Karriere Modus gibt es noch einen relativ mächtigen Leveleditor, die Möglichkeit in diesem erstellte Strecken der Community kostenlos zu laden, spielen sowie zu bewerten und einen lokalen Mehrspielermodus für vier Spieler.

Klingt umfangreich, aber so was von. Trials Fusion ist wie eingangs erwähnt der Versuch es allen Recht zu machen und es zwangsläufig nicht schaffen kann. Die meisten Designentscheidungen sind für mich positiv, einige wenige eher negativ. Der schwierige Versuch alle Aspekte gesammelt auf neutraler Basis zu beurteilen fällt positiv aus. Für mich persönlich war Trials Fusion trotz mancher Kritikpunkte die beste Trials Erfahrung der Serie und gleichzeitig ein lehrreicher Ausblick auf mögliche wirtschaftliche Geschäftsmodelle kommender Spiele. Eines ist jedenfalls wieder deutlich spürbar geworden, vorbei sind die Zeiten des Einmalkaufs. In Zukunft werden erfolgreiche Serien mehr zu einer längerfristigen Plattform als zu einem Einzelereignis. Werde ich mir den Season Pass kaufen? Eher nicht. Warum? Schlechtester Trials Spieler aller Zeiten und die letzten Strecken waren deutlich zu schwer für mich. Ärgere ich mich darüber? Zu keinem Zeitpunkt. Würde ich Trials Fusion weiterempfehlen? Definitiv! Warum? Welcome to the future. Man, machine, the fusion. Welcome to the future. Lightyears ahead of evolution.

Gespielt wurde die digitale Basisversion von Trials Fusion auf der Xbox One. Trials Fusion gibt es in den digitalen Marktplätzen für Xbox 360, Xbox One, PlayStation 3, PlayStation 4 und via Uplay auf dem PC für 20 Euro und um weitere 20 Euro kann man den Season Pass mit sechs Inhalte zum Herunterladen in den nächsten zwölf Monaten nachkaufen. Die Deluxe Version (Basispiel inklusive Season Pass) für die neue Konsolengeneration und den PC verkauft Amazon* für etwa 40 Euro. Der iOS-exklusive mobile Ableger Trials Frontier ist kostenlos im App Store von Apple erhältlich und versucht sich laut iPhoneBlog.de ab Minute 35 mittels Free-2-Play zu finanzieren. Hinweis hinsichtlich Transparenz: Ubisoft Österreich hat mich im Rahmen der Trials Fusion Veröffentlichung zu einem Presse und Community Event in Wien eingeladen und kam dort für die Bewirtung auf.

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