Nokia E7 – die weiche Komponente

Das für mich schwierigste Thema in der Reihe der Nokia E7 Testberichte (hier geht es zur Übersicht) steht heute auf dem Programm, das Thema Software. Eigentlich wollte ich diesen Text schon vor sieben Tagen schreiben, jetzt ist es Donnerstag kurz vor 19 Uhr und trotz der zusätzlichen Zeit über das Thema nachzudenken, fällt es mir immer noch schwer, eigentlich schon zu schwer.

Nokia hat während der Testphase ein paar grob umrissene Themen vorgegeben und sich dazu Beiträge gewünscht. Keiner der veröffentlichten Beiträge wurde vorab geprüft oder in irgendeiner Form freigegeben. Laut dem Infoblatt soll es heute um Ovi Maps, den Ovi Store sowie alle anderen Apps auf dem Gerät gehen. Zwei meiner bisherigen Beiträge überschneiden sich mit dem Themenbereich und daher verweise ich einfach mal auf die Beiträge zur sozialen Komponente und auch der unterhaltenden Komponente. Dadurch reduziert sich der Inhalt auf Ovi Maps, den Ovi Store und dem von mir selbst hinzugefügten Bereich namens Symbian^3.

Bevor es los geht, möchte ich ehrlich sein und gestehen, dass ich fremd gegangen bin. Nachdem ich das E7 drei Wochen durchgehend benutzt habe, wurde es vor sieben Tagen außer Betrieb genommen und meine SIM Karte landete im alten HTC Legend. Ich war nicht unzufrieden mit dem finnischen Smartphone, aber ich hoffte durch den Entzug das Gerät besser einschätzen zu können (der Mensch ist ein Gewohnheitstier und man gewöhnt sich an manche Sachen unheimlich schnell). Für einen Apple und Android Fanboy wäre die Sachlage sehr einfach, denn eigentlich darf man über Symbian^3 kein gutes Wort verlieren. Der Nokia Fanboy sieht dies gewohnt anders und erwartet natürlich nur lobende Worte über den Dinosaurier unter den Smartphone-Betriebssysteme. Die Realität bewegt sich wohl irgendwie dazwischen.

Ovi Maps ist gut und funktioniert! Anfangs war ich etwas unschlüssig und mit dem Interface nicht wirklich glücklich, aber durch ein kürzlich veröffentlichtes Update, hat sich hier vieles zum Positiven verändert. Sehr erfreulich ist zum Beispiel das Thema Offlinenavigation, wodurch im Ausland ohne aktive Datenverbindung navigiert werden kann (die Navigation unter Android benötigt eine aktive Datenverbindung). Die Karten müssen dafür einmalig heruntergeladen werden, wobei für jedes Land eine individuelle Karte zur Verfügung steht (Österreich: ca. 330 MB & der Download via WLAN ist am Gerät möglich). Die GPS Position wird schnell gefunden und neben der Navigation für Autos ist auch eine Navigation für Fußgänger integriert, die im städtischen Bereich durchaus seine Vorzüge hat (hier gibt es Bonuspunkte für das super Clear Black Display). Zusätzlich bietet Ovi Maps noch Layer für Events, Lokale und Hotels sowie eine Check-In Möglichkeit, die aber eher bescheiden ist, da diese nicht mit Facebook Places kompatibel ist.

Der Ovi Store dient als Nachschubquelle für weitere Apps und erweitert damit die Funktionalität des Gerätes. Die Systematik ist gleich wie im iTunes Store bei Apple oder dem Market unter Android, wobei die Masse fehlt. Die Anzahl der Anwendungen wirkt (und ist vermutlich auch deutlich) geringer als bei den anderen beiden Anbietern und der für 2012 angekündigte Wechsel auf die Windows Phone Plattform wird die Lage im Ovi Store vermutlich nicht wirklich verbessern (auch wenn Nokia weiterhin an Symbian festhalten möchte). Bitte nicht falsch verstehen, denn man findet auch im Ovi Store alles was man braucht (und auch nicht braucht), aber die Auswahl ist halt einfach leider deutlich geringer und oft steht nur eine passende App zur Verfügung. Die Handhabung ist in Ordnung und die Suche sowie Installation ist sehr ähnlich zu den beiden anderen Anbietern (und somit eher einfach).

Nicht mehr so Hui wird es dann beim eingebauten Internetbrowser, der zwar Flash unterstützt aber eher langsam, träge und sehr gewöhnungsbedürftig ist. Nach ein paar Tagen kann man zwar damit leben, aber im Vergleich zu anderen mobilen Webkit Browser besteht hier massiver Nachholbedarf, der bereits mit dem nächsten Symbian Update (Anna) angekündigt wurde.

Als Betriebsysteme setzt Nokia auf Symbian, welches mittlerweile in der Version 3 vorliegt ist und wohl auch der größte Kritikpunkt am E7 ist. Wenn ich erneut ein Kurzfazit abgeben müsste, dann wäre dies wohl wie folgt: Pfui Pfui Pfui mit einem kleinen bisschen Hui! Nokia macht einiges richtig, aber es wirkt massiv unrund und auch unlogisch. Einige Kritikpunkte wie die Sache mit dem Widgets wurde bereits in früheren Beiträgen verarbeitet und auch das nicht konsistente Verhalten bei Benachrichtigungen (wie die fehlenden E-Mail Benachrichtigung) haben bereits Erwähnung gefunden. Das wohl größte Manko ist aber definitiv der schwer bis gar nicht zu durchschauende Menüaufbau, der mich mehrmals zur Verzweiflung gebracht hat. Da gibt es zum Beispiel die Sache mit der E-Mail App. Anfangs habe ich diese unter Mitteilungen im Hauptmenü vermutet, aber dahinter findet man nur SMS und MMS. Im Untermenü Office gibt es zwar Notizen, ein Wörterbuch und Quickoffice, aber E-Mails finden sich dort auch nicht, denn die Mail App befindet sich im Ordner Programme. Bei der Kalender App ist es dann einfacher, denn die versteckt sich gar nicht und ist gleich im Hauptmenü zu finden. Anruflisten sind ebenfalls im Ordner Programme (Kontakte hingegen wieder im Hauptmenü) und wer den Dateimanager zur USB Datensicherung sucht, wird nicht in den Einstellungen fündig, sondern unter Office. Auf der obersten Ebene findet sich auch der Punkt Einstellungen, der aber nur etwa 4/5 aller Optionen beinhaltet, denn die anderen 20% sind unter Programme -> System -> Tel.-Setup zu suchen. Die Anwendungen selbst sind meist ganz ok, aber die Suche über die Menüstruktur ist einfach alles andere als angenehm. Sowohl Vor- als auch Nachteil sind die umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten (zum Beispiel im Bereich Datenverbindung), wobei diese vermutlich technisch nicht versierte Benutzer etwas überfordern und auch im Handbuch nicht wirklich optimal erklärt werden.

Dann gibt es aber auch noch diese kleinen Lichtblicke, über die man sich freut. Da ist dann zum Beispiel der Wecker, der auch bei ausgeschalteten Gerät weckt (= absoluter WIN). Gleich positiv fällt das extrem gute Energiemanagement auf, wodurch der Akku bei normaler Nutzung etwa drei Tage hält und auch die generelle Systemgeschwindigkeit sowie das Handling beim Multitasking fallen äußerst positiv auf. Weiters gibt es noch ein eingebautes Hilfeprogramm, welches automatisch viele praktische Tipps und Hilfestellungen direkt am Gerät liefert (bei der ersten Nutzung von Ovi Maps wird zum Beispiel auf die passende Autohalterung und die Gefahr bei Nutzung während der Fahrt hingewiesen).

Die einzelnen Anwendungen am Gerät sind durchaus gut (bis sehr gut) und auch angenehm, aber es bleibt einfach der sehr schlechte Beigeschmack von Symbian^3. Es wirkt ab und zu so, als wären die Apps liebevoll entwickelt worden und dann mit weniger Liebe einfach an Symbian^3 angeflanscht worden, wodurch einfach viel (schon fast zu viel) verloren geht. Nokia hat bereits Besserung mit dem nächsten Symbian Update namens Anna versprochen, ob es wirklich so viel besser wird, wage ich (leider) vorsichtig zu bezweifeln :-(.

Mehr Informationen zum Projekt “Nokia E7″ gibt es in diesem Beitrag. Mittels Twittersuche findet man meine E7 Tweets sowie die Tweets der anderen Tester und Kommentare mit Feedback, Fragen sowie Anregungen werden wie immer gerne gelesen. Sollte jemand ein Nokia E7 käuflich erwerben wollen, so ist dies via Amazon* oder dem Handyprovider des Vertrauens (in Österreich derzeit die A1 Telekom Austria AG bei mittlerweile fast allen Anbietern) möglich.

Ein Kommentar zum Thema

  1. xXShOcKTrOnIcXx schreibt:
    01/05/2011 um 17:39

    Naja Nokia konnte mich bisher eh nie so wirklich überzeugen.Müsste ich mich für ein Smartphone entscheiden würde ich immer noch das Iphone nehmen.

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